By Rahel Heeg

Anhand ausführlicher Fallstudien arbeitet die Autorin unterschiedliche Bedeutungen physischer Gewaltausübung für weibliche Jugendliche heraus. Dabei werden zwei Gruppen unterschieden. Manche Mädchen üben Gewalt aus, um dadurch einen Gewinn zu erlangen. Sie erleben sich als stark, unabhängig und gerecht, wenn sie Gewalt anwenden. Zusätzlich erhalten sie in einer gewaltbereiten Bezugsgruppe Anerkennung für ihr Tun und schaffen ein Gefühl der Zugehörigkeit. Andere Mädchen sehen sich von einer feindseligen Umwelt bedroht. Durch Gewalt schützen sie sich. Da sie sich von ihren aggressiven Emotionen überwältigt fühlen, bestätigt und vertieft ihr Handeln ein negatives Selbstkonzept.
Die Autorin erläutert die unterschiedlichen purpose und subjektiven Gewinne von physischer Gewalt für weibliche Jugendliche und verdeutlicht deren Sinnhaftigkeit im Rahmen familiär gelernter Interaktionslogiken.

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Die Desintegrationstheorie blieb nicht unwidersprochen. 11 Die Grenzen des Erklärungsansatzes zeigen sich besonders deutlich beim Phänomen der gering ausgeprägten weiblichen Gewalt. Wenn Desintegration der entscheidende Auslöser für physische Gewalt wäre, dann müssten weibliche Jugendliche häufiger Gewalt ausüben als männliche Jugendliche, da sich bei allen sozial Unterdrückten die Diskriminierungserfahrungen verschärfen, wenn die Betroffenen weiblich sind (Becker-Schmidt 1987). Weiblichen Jugendlichen gelingt ein erfolgreicher Übergang in den Arbeitsmarkt trotz besserer Schulleistungen seltener als männlichen Jugendlichen (siehe Möller 2001: 105), und sie haben höhere Verunsicherungswerte als Jungen (Conrads & Möller 1995: 276).

Das Beziehungsnetz gewaltorientierter Cliquen wirkt emotional stabilisierend und gleicht die sozialen Missbilligungen aus, welche die Mädchen aufgrund ihrer Normbrüche außerhalb der Peergroup erleben (Popp 2002: 201f). Etikettierungsprozesse verstärken die innere Verbundenheit mit der Peergroup noch weiter (Bruhns & Wittmann 2002: 87, 103). Weibliche Motive für Gewaltausübung unter Peers sind Konkurrenz und eine Suche nach Respekt, Statusgewinn und Anerkennung (Niebergall 1995, Bruhns & Wittmann 2002).

Die Auffassung von Chesney-Lind und Shelden (1992), welche delinquentes Verhalten als anpassungsfähigen Aufbruch, als Coping-Verhalten in einer ansonsten bedrückenden Lebenswelt verstehen, muss deshalb relativiert werden: Das CopingVerhalten ist nicht sehr erfolgreich, weil das gewählte Verhalten neue Probleme und Risikolagen schafft. 3 Zur Perspektive Persönlichkeit Eine weitere Perspektive ist diejenige der Persönlichkeitsdefizite (siehe die Übersicht bei Scheithauer & Petermann 2004: 387). Diskutiert werden risikoerhöhende Bedingungen wie beispielsweise genetische Faktoren (wenn auch nicht als direkte, sondern als indirekte Verbindungen), neurologische Defizite wie z.

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