By Franz Heschl

Es gehört mittlerweile zum einigermaßen gesicherten Wissensbestand der Soziologie der europäischen Integration, dass im durch eine spezifische institutionelle Architektur geprägten Entscheidungsgefüge der Europäischen Union gesellschaftliche Konflikte wie Verteilungs-, Interessen- und Wertkonflikte weitgehend entpolitisiert werden. An die Stelle von „Politik“ treten dadurch vermehrt „technokratische Lösungen“ und „sachbezogene Verwaltung“, diese beiden werden wiederum everlasting von „politischer Rhetorik“ überlagert. Gegenwärtig ist in der Europaso­zio­logie immer deutlicher die Ansicht zu finden, dass gerade der examine dieser „politischen“ oder „europapolitischen Rhetoriken“ verstärkt Aufmerksamkeit zu widmen wäre, es – so Maurizio Bach - notwendig sei, „die Selbstbeschreibungen des herrschenden europäischen platforms und deren Mythen sowie Illusionen zum Gegenstand soziologischer Forschung zu erheben“. ​In dieser Arbeit wird eng an diese Forschung angeknüpft.

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Ins Blickfeld rückt dann nicht die Interaktion zwischen europäischem Regierungssystem und Gesellschaft, sondern vielmehr die Dynamik des europäischen Regierens in der Gesellschaft“ (Trenz 2005a: 22–23). 10 In einer weiteren empirischen Arbeit dazu aus demselben Jahr kommt er beispielsweise zu folgenden Ergebnissen: „Anstelle der Herausbildung einer einheitlichen europäischen Öffentlichkeit beobachteten wir die Europäisierung bestehender nationaler Kommunikationsräume. Ein solcher Prozess der Europäisierung vollzieht sich als Angleichung der Produktions-, Distributions-, und Rezeptionsbedingungen europapolitischer Kommunikation, für die entsprechende Kapazitäten in den sich spezialisieren- Europasoziologie: „Austauschbeziehungen“ als gemeinsamer Kern?

Das Spektrum dieser Interpretationen ist weit: Es reicht von der oft „überschwänglichen“ Zustimmung zum europäischen Integrationsprozess in seiner real beobachtbaren Form bei den europäischen Eliten bis zur „… Beobachtungsperspektive der Leute, die vor allem durch die Transnationalisierung der Arbeitsmärkte in immer intensivere Konkurrenzzusammenhänge geraten …“ (Vobruba 2008a: 45). 14 In einem 2008 im Internet publizierten Arbeitspapier (vgl. Trenz 2008) hat Hans-Jörg Trenz einige seiner schon in anderen Arbeiten (insbesondere Trenz 2005a) vorgestellten Thesen hinsichtlich einer vor allem theoretischen Fundierung einer Soziologie der europäischen Integration nochmals aufgegriffen und 14 Im schon erwähnten Beitrag von Gerd Nollmann findet sich eine Textpassage, die trotz der Verwendung eines etwas anderen Vokabulars – meines Erachtens – durchaus auch in diese inhaltliche Richtung interpretiert werden kann: „Die vielen Nachteile Europas: die horrenden Kosten, die fehlende demokratische Legitimation, die ausufernde Bürokratie, der Unsinn der Agrarsubventionen, das fehlende Gefühl einer Schicksalsgemeinschaft europäischer Bürger, die rituelle Feilscherei um Vorteile, die fehlende politische Krönung des Euro usw.

Zum anderen wird in vielen dieser Ansätze skizziert, worin dieser Unterschied liegen sollte: Die Soziologie hat demnach die Ursachen und Folgen der gesellschaftlichen Integration Europas herauszuarbeiten, sie hat sich auf die Integration europäischer Gesellschaften über unterschiedliche Austauschbeziehungen zu beziehen. Gemeinsam ist den vorliegenden Überlegungen zu einer Soziologie der europäischen Integration auch die Überzeugung, dass dabei der für die Soziologie so typische „nationale“ Analyserahmen abzulegen ist.

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